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Rathaus Aktuell

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Gemeinde Neckargerach

Jahresrückblick 2020
Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,
das neue Jahr kann nur besser werden, so dachte manch einer, als der Jahreswechsel kurz bevorstand. Und zugleich war klar, dass wir die allgegenwärtige Pandemie nicht so schnell loswerden, dass wir sogar noch mit weiteren Einschränkungen werden eine Zeit lang leben müssen. Unser Alltag, der Beruf, Schule und Kindergarten – alles ist auf den Kopf gestellt. In unserer Gemeinde hielt sich das Infektionsgeschehen bisher zwar in Grenzen. An dieser Stelle wünsche ich aber – auch im Namen unseres Gemeinderat – allen Betroffenen eine schnelle und vollständige Genesung und uns allen ein gutes Durchhaltevermögen.
Trotz Pandemie ging und geht es in allen Bereichen „irgendwie“ weiter. Kommunalpolitisch waren wir im Jahr 2020 durch einen frühzeitigen Beschluss des Haushaltes, der bereits im Januar erfolgte, handlungsfähig und konnten so trotz Lockdown und des zunächst auch ausgebremsten Sitzungsbetriebs an den gesteckten Zielen arbeiten. Zwischenzeitlich wurde durch das Innenministerium klargestellt, dass Gemeinderatssitzungen zur Wahrung der kommunalen Selbstverwaltung unter der Prämisse eines Hygienekonzepts stattfinden dürfen und auch müssen. Die Gemeindeordnung wurde zwischenzeitlich auch dahingehend novelliert, als dass auch Online-Sitzungen zukünftig möglich sind, sollte die Lage dies erfordern.
Die in vergangenen Jahr angestrebten und teils durchaus auch ambitionierten und mehrjährigen Projekte sollen im Folgenden skizziert werden.
Online an öffentlichen Plätzen, das ist seit Sommer vergangenen Jahres in Neckargerach möglich. Über ein EU-Förderprogramm – genannt: Wifi4EU – konnten gemeinsam mit einem Dienstleister eine ganze Reihe von Access-Points installiert werden, sodass rund um das Rathaus Neckargerach, das alte Rathaus Guttenbach und somit auch im Gemeindesaal, in der Minneburghalle und Minneburgschule, am Minneburgplatz, am Sportplatz und am Campingplatz sowie im Saal des Feuerwehrgerätehauses Neckargerach kostenfrei gesurft werden kann.

Damit das Ganze irgendwann auch einmal mit Gigabit-Geschwindigkeit möglich sein wird, ist die Gemeinde Neckargerach Teil des landkreisweiten Projekts der BBV-Deutschland. Dieses Vorhaben ist zwischenzeitlich reichlich plakatiert, in der Presse zu lesen gewesen und über die Landkreisgrenzen hinweg beachtet worden – immerhin soll ein kompletter Landkreis von der Glasfasererschließung profitieren. Im Unterschied zu den bisherigen Breitbandprojekten, bei denen die Glasfaserstränge an den Zufahrtsstraßen endeten, ist die Zielsetzung nun, dass die Gebäude direkt eine Glasfasererschließung erhalten. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass der Endkunde einen Vertrag mit BBV abschließt – wenn dies geschehen ist, gibt es einen kostenfreien Glasfaserhausanschluss (wenn die Hauseinführung zehn Meter von der Grundstücksgrenze entfernt ist). In Kürze sollen in alle Haushalte entsprechende Info-Flyer verteilt werden. Auch online kann sich entsprechend informiert werden: https://bbv-deutschland.de/wir-sind-toni/

Um ganz andere Leitungen geht es bei dem ersten Großprojekt des neu gegründeten Wasserzweckverbands mit dem die Gemeinde Neckargerach gemeinsam mit der Gemeinde Zwingenberg die Wasserversorgung in den kommenden Jahren grundlegend erneuern will. Hierzu sind Ergänzungen und Neubauten im Quellleitungsnetz und auch bei den Versorgungsgebäuden notwendig. Die mehrere Jahrzehnte alte Quellleitung aus dem Seebachtal soll beispielsweise erneuert werden – aufwendige Planungen sind hierzu notwendig. Auch ein gemeinsamer Hochbehälter mit vorgelagerter Filteranlage, der auch in der Lage sein soll die Löschwasserversorgung sicherzustellen, soll gebaut werden. Ebenso wird der Ortsteil Guttenbach an das Trinkwassernetz der Gemeinde angeschlossen und somit künftig eigenversorgt. Im Bau befindet sich der erste Abschnitt des Gesamtkonzepts: Die Verlängerung der Tiefbrunnenleitung Zwingenberg zum Hochbehälter Zwingenberg. Bei diesem Teilprojekt wird auch zugleich ein Teil der Verbindungsleitung zur Gemeinde Neckargerach mitverlegt. Am Ende sollen an Stelle von einer Quelle, die aktuell Neckargerach versorgt, insgesamt fünf Quellen die Versorgung sowohl quantitativ als auch qualitativ sicherstellen.

Die Grafik zeigt die Bauabschnitte, die in den kommenden Jahren Angriff genommen werden. Bauabschnitt I
Die Grafik zeigt die Bauabschnitte, die in den kommenden Jahren Angriff genommen werden. Bauabschnitt I "Neubau Verbindungsleitung Tiefbrunnen - Hochbehälter Zwingenberg" befindet sich gerade in der Umsetzung.

Um Wasser ging es auch an einem ungeplanten Projekt: Der Waldsee hatte ein Leck und es musste schnell gehandelt werden bevor der Schaden sich noch weiter ausweitete. Mit Hilfe der Feuerwehr Neckargerach wurde der Wasserspiegel des Sees abgesenkt, der Damm an der ausgemachten Leckstelle wurde frisch aufgebaut und der Überlauf neu hergestellt.

Der Überlauf wurde mit Sandsteinpflaster ausgekleidet, die vorherigen Betonsteine (Rasengittersteine) wurden entfernt. Die Abdichtung unter dem Pflaster besteht aus einem Lehmaufbau.
Der Überlauf wurde mit Sandsteinpflaster ausgekleidet, die vorherigen Betonsteine (Rasengittersteine) wurden entfernt. Die Abdichtung unter dem Pflaster besteht aus einem Lehmaufbau.

Ein sehr wesentlicher Teil der politischen Arbeit im vergangenen Jahr beschäftigte sich mit Wasser, das man tatsächlich loswerden will: Dem Abwasser. Letzteres wurde über die vergangenen Jahre und Jahrzehnte zuverlässig in der hiesigen Kläranlage behandelt und geklärt als Überlauf in den Neckar geleitet. Klar ist aber auch, dass die Kläranlage nicht nur an ihrer Leistungsgrenze angekommen ist, sie ist sogar, was die geforderte zu behandelnde Abwassermenge angeht, zu klein. Als Ergebnis aus einem Strukturgutachten kam hervor, dass die Anlage aufwendig erweitert werden müsste, um die Abwassermengen bewältigen zu können. Als Alternative zu einem Neubau wurde der Anschluss an einen (größeren) Entsorger genannt. Geprüft wurden der Anschluss an Eberbach, der aber aufgrund der dortigen ausgereizten Anlage nicht in Frage kam, und der Anschluss an den Abwasserzweckverband Elz-Neckar. Und genau dorthin soll die Reise gehen. In die Abwägung dieses Grundsatzbeschlusses floss unter anderem das Ziel der stabil zu haltenden Abwassergebühren mit ein. Während ein Neubau in Neckargerach, wenn überhaupt, nur zu einem ganz geringen Fördersatz durch das Land Baden-Württemberg gefördert werden würde, wurde bei der Anschlussvariante eine Förderung von 80 Prozent in Aussicht gestellt. Zudem unterbreitete der Abwasserzweckverband das Angebot die noch zu bauenden Verbindungsleitung mitsamt der zugehörigen Anlagen zu übernehmen, sodass schlussendlich die Gemeinde Neckargerach die Abschreibungen und die Verzinsung zu übernehmen hat, aber nicht in die Verschuldung gehen muss. Dagegen wäre die Eigenlösung mit einer massiven Verschuldung verbunden gewesen, die die Gemeinde sich nicht hätte leisten können. Zu erwarten ist außerdem, dass die gesetzgeberischen Anforderungen an die Abwasserentsorgung (Spurenstoffelimination) in den kommenden Jahren steigen werden, ein fortlaufender Investitionsbedarf geht damit einher. Diese Investitionen, die nach erfolgtem Anschluss zukünftig vom AZV zu leisten sind, können durch die Umlegung auf mehrere Zehntausend Gebührenzahler wesentlich einfacher refinanziert werden, als dies bei der Gemeinde Neckargerach alleine der Fall sein kann. Für den Bau der Anschlussleitung laufen derzeit also die Gespräche mit den Grundstückseigentümern, die im Neckarvorland sowohl auf Neckargeracher als auch auf Guttenbacher Neckarseite durch die Verlegung der zu bauenden Leitung betroffen sind. Der Förderantrag wurde gestellt, die Gespräche mit den Fachbehörden (Wasserwirtschaft, Umweltplanung usw.) laufen. Im Spätjahr soll das Projekt planerisch so weit fortgeschritten sein, dass es im kommenden Jahr zur Ausführung kommen kann.

Fortgeschritten sind inzwischen auch die Planungen zum Hochwasserschutz der Ortslage Neckargerach im Zusammenhang mit dem Feldwegedamm in Lauerskreuz. Dieser Damm soll ertüchtigt und ausgebaut werden, sodass er im Endzustand ein 100-jährliches Hochwasser bzw. Starkregenereignis gefahrlos und standhaft absichern kann. Vorgelagert zum großen Feldwegedamm soll weiter oberhalb der kleine Feldwegedamm als Geröllfang ausgebaut und wieder befahrbar gestaltet werden. Aktuell ist der Feldweg gesperrt. Aufgrund der recht komplizierten Fördersystematik, die das Land vorgibt, sind die Planungen aufwendig und langwierig. Denn die Förderrichtlinie besagt, dass alle vorgesehenen Maßnahmen zum Hochwasserschutz auf einmal angemeldet werden müssen – auch Maßnahmen, die eventuell erst in vielen Jahren kommen werden. Sind sie nicht angemeldet oder zu geringfügig kalkuliert, bleibt die Gemeinde auf den Kosten sitzen. Entsprechend gut muss geplant und gerechnet sein. Im Frühjahr werden nun die vorgesehenen Maßnahmen, zu denen auch kleinere Schutzmaßnahmen am Koppenbach gehören, in einem Förderantrag eingereicht. Auch beim Gemeindeausgleichstock werden Mittel beantragt. Parallel dazu laufen das Wasserrechtsverfahren und die Umweltprüfung.

Der Dammweg wird ertüchtigt und ausgebaut, sodass er bei Hochwasserereignissen standhaft bleibt und das Wasser bei Bedarf kontrolliert überströmt.
Der Dammweg wird ertüchtigt und ausgebaut, sodass er bei Hochwasserereignissen standhaft bleibt und das Wasser bei Bedarf kontrolliert überströmt.

Im Rahmen der Straßenunterhaltung wurde im vergangenen Jahr ein Teilstück der Grabenstraße saniert. In diesem Jahr soll der Rote Sandweg in einem Teilabschnitt saniert werden. Diese Maßnahme bietet sich an, da der Rote Sandweg in einem Teilbereich durch das Wasserversorgungsprojekt schon neu aufgebaut werden muss. Von der Anschlussstelle der Wasserleitung bis zum Ortseingang Zwingenberg soll dann die Sanierung fortgesetzt werden. Die Gemeinde Neckargerach und Zwingenberg wollen hier wiederum eng zusammenarbeiten

Quasi überrannt wurden wir im vergangenen Jahr von Besuchern – hier insbesondere vor Wanderern, die die Margaretenschlucht besuchen wollten. Das Unfallgeschehen hielt sich – von einem sehr aufwendigen und durchaus gefährlichen Einsatz – glücklicherweise in Grenzen. Da aber die Besucherströme erwartbar hoch bleiben werden und auch der kleine Parkplatz beim Rastplatz „Schöne Aussicht“ an seine Grenzen stößt, soll in diesem Jahr ein Schotterparkplatz bei der Zufahrt zum Eisenbusch gebaut werden. Die Genehmigung, die aufgrund der Lage im Landschaftsschutzgebiet notwendig ist, ist inzwischen vorhanden. Die Gemeinde bemüht sich nun noch um eine Förderung durch den Naturpark Neckartal-Odenwald.

Beliebt ist auch der wiederhergestellte Verbindungsweg zwischen Neckargerach und Zwingenberg direkt oberhalb der Bahnlinie. Auf private Initiative zunächst provisorisch hergestellt, wurde der Weg im letzten Jahr auch wiederum mit Förderung durch den Naturpark auf Vordermann gebracht und wird nun durch den Bauhof regelmäßig gemulcht.
In diesem Zusammenhang soll in diesem Jahr im Mittelbereich Mosbach die Wanderwegbeschilderung vereinheitlicht werden. In der Fachsprache nennt sich dies „zielorientierte Wanderwegweisung“. Das bedeutet, dass an entsprechenden Kreuzungspunkten Schilder zu finden sein werden, die den Weg zum nächsten Ziel weisen – also beispielsweise den nächsten S-Bahnhof mitsamt der zugehörigen Entfernung und Symbolik. Am Ende soll diese einheitliche Beschilderung natürlich zur besseren Orientierung beitragen – und zwar einheitlich über die Gemarkungsgrenzen hinweg.

Nach dem Vorbild des Wasserzweckverbandes wurde im vergangenen Jahr der Bauhofzweckverband aus der Taufe gehoben. Die beiden Bauhöfe von Neckargerach und Zwingenberg arbeiten schon seit vielen Jahren eng zusammen. Auf Basis des Zweckverbandes soll diese Zusammenarbeit noch weiter verstärkt werden. Dies soll sich beispielsweise auf den Maschinen- und Fuhrpark positiv auswirken ebenso wie auf die Möglichkeiten der Lagerung der vielfältigen Arbeitsmaterialien. Die Kollegen der Bauhöfe sind seit Beginn des Jahres beim neuen Zweckverband angestellt. Gemeinsam will man mit der Verbandsversammlung Konzepte erarbeiten, wie der Bauhof zukünftig aufgestellt wird. Die Notwendigkeit der engeren Zusammenarbeit ergibt sich aber auch aus dem Arbeitsschutz. Viele Arbeiten dürfen alleine oder sogar zu zweit nicht mehr ausgeführt werden. Ebenso dürfen Zuständigkeiten bei Wasser und Abwasser nicht vermischt werden. Durch die Spezialisierung der Männer in bestimmten Bereichen wird die Mannschaft noch schlagkräftiger als sie es heute schon ist. Die Anforderungen werden auch in diesen Bereichen immer höher – diese zu meistern ist das gemeinsame Ziel.
Damit, liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, will ich meinen kurzen Rückblick, der zugleich auch Ausblick auf das vor uns Liegenende ist, schließen. Dies aber auch verbunden mit einem sehr herzlichen Dankeschön – auch im Namen unseres Gemeinderats – an Sie alle, die Sie die durchaus ambitionierten Maßnahmen und Projekte positiv begleiten. Wir wissen, dass wir aufgrund der Pandemie und der gesetzgeberischer Vorgaben, absehbar nun noch weniger finanzielle Spielräume für Wünschenswertes haben werden. Durch die Zusammenschlüsse zu Zweckverbänden und die dadurch erfolgte Verteilung der (finanziellen) Lasten kommen wir trotzdem gut voran. Die Neuordnung der Wasserversorgung wäre sonst ebensowenig leistbar, wie die der Abwasserentsorgung. Beide Projekte bewegen sich in Größenordnungen von mehreren Millionen Euro – Größenordnungen, die unsere Gemeinde sonst nicht bewältigen könnte. Wir wollen aber das Heft des Handelns in der Hand behalten und am Ende des Tages nicht fremdbestimmt werden. Daher gehen wir diesen eingeschlagenen Weg gemeinsam und freuen uns über Ihre Unterstützung.
Ich selbst will unserem Gemeinderat herzlich danken für seinen ehrenamtlichen Einsatz. Der Gemeindeverwaltung und unserem Bauhof danke ich ebenso sehr herzlich für das jeweilige Engagement, das in vielen Fällen über das normale Maß hinausgeht. Ich danke Ihnen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, für Ihr so vielfältiges Wirken zum Wohle unserer Gemeinde und ihrer Bürgerinnen und Bürger.
Bleiben Sie gesund, alles Gute und herzliche Grüße
Ihr
Norman Link