Gemeinde Biehl

Seitenbereiche

  • wechselbild
  • wechselbild
  • wechselbild
  • wechselbild

Rathaus Aktuell

Seiteninhalt

Wasserversorgung

Informationsveranstaltung für Neckargerach und Zwingenberg zur Zukunft der Wasserversorgung
Wasser ist das höchste Gut und doch (k)eine Selbstverständlichkeit? Die Verfügbarkeit von Trinkwasser ist für uns tatsächlich keine Besonderheit. Wir drehen den Wasserhahn auf und wir haben Wasser, ob zum Waschen, Kochen oder auch Giesen. Zudem ist es Trinkwasser – das in Deutschland bestkontrollierte Lebensmittel. Doch auch in diesem Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge gibt es immer wieder Handlungsbedarf, um die Versorgungssicherheit dauerhaft gewährleisten zu können. In den nächsten Jahren soll deshalb die Trinkwasserversorgung von Neckargerach und Zwingenberg grundsätzlich neu geordnet werden. Mit dem Ziel über diese Pläne zu informieren luden die Verwaltungen der Gemeinden Zwingenberg und Neckargerach auch im Namen der Gemeinderäte zu einer Einwohnerversammlung in die Peter-Kirchesch-Halle ein.

Bürgermeister Norman Link führte nach seiner Begrüßung in die Informationsveranstaltung inhaltlich mit einigen Beispielen ein, die aufzeigten, dass es auch in Neckargerach und Zwingenberg bereits Situationen gab, die zu einem zeitweisen Ausfall der Trinkwasserversorgung hätten führen können. In Neckargerach kam beispielsweise aufgrund des Unwetters am 28. Mai 2016 die Stromversorgung in der Friedensstraße zum Erliegen. Das Betriebsgebäude mit der Wasseraufbereitung und den Pumpen, die das Wasser zu den Hochbehältern fördern, war an diesem Versorgungsstrang angeschlossen und war demnach für mehrere Stunden ohne Strom. Nur durch die schnelle Reparatur der schadhaften Stromleitung war davon im Dorf nichts zu spüren. Die Pumpen waren wieder rechtzeitig mit Strom versorgt, so dass die Wasserbehälter wieder gefüllt werden konnten. In Zwingenberg führte vor zwei Jahren aufgrund eines technischen Defekts ein Brand im Wasserhochbehälter dazu, dass dieser einige Zeit außer Betrieb genommen werden musste. Nur durch die Versorgung über den Tiefbrunnen im Neckarvorland konnte die Wasserversorgung gewährleistet werden.

Ausschlaggebend für die jetzt begonnene Neukonzeption der Wasserversorgung der beiden Neckartalgemeinden war zudem eine Änderung der Trinkwasserverordnung. Demnach soll Trinkwasser nicht mehr beispielsweise durch Desinfektion „behandelt“ werden müssen, sondern bereits als sogenanntes Rohwasser (Quellwasser) muss das Wasser bereits aufbereitet sein. Diese Aufbereitung findet durch eine sogenannte Ultrafiltrationsanlage statt – diese Anlage funktioniert wie ein extrem feines Sieb, das die unerwünschten Bestandteile im Wasser herausfiltert.
Im Zuge der weiteren Untersuchung der Wasserversorgung beider Gemeinden, wurde ein sogenanntes Strukturgutachten beauftragt und erstellt, das die Anlagen zur Wassergewinnung ebenso wie die Versorgungssicherheit und Versorgungsqualität genauer unter die Lupe nahm. Dieses Gutachten wurde vom Büro Fritz-Planung aus Bad Urach ausgearbeitet und von Herrn Ingenieur Florian Sylla vorgestellt – zuvor stellte Herr Andreas Besch das Unternehmen Fritz-Planung vor. Im Ergebnis führte Herr Sylla aus, dass aktuell das Wasserdargebot und die Versorgungssicherheit nicht oder nur eingeschränkt für beide Gemeinden sichergestellt werden könne und verwies auf die Beispiele von Bürgermeister Norman Link. Die Wasserversorgung fuße auf eine oder zwei Quellen ohne für den Fall eines Ausfalls einer Quelle eine Ersatzversorgung zur Verfügung zu haben. Auch führe die angesprochene Wasseraufbereitung beide Gemeinden vor die gleiche Aufgabenstellung: Einbau einer Ultrafiltrationsanlage. Die Wasserversorgungsanlagen selbst hätten ihre Kapazitätsgrenzen erreicht und wiesen zudem Sanierungsbedarfe auf. Dies gelte auch für die Quellleitung aus dem Seebachtal bis zum Betriebsbehälter in Neckargerach. Nach der Ausarbeitung des Konzepts, das die genannten Aufgaben lösen könne, würde die Zusammenlegung der Wasserversorgung für Zwingenberg und Neckargerach empfohlen. Dieser Empfehlung folgten die beiden Gemeinderäte bereits nach Beratungen in zwei Klausursitzungen. Das Konzept sieht vor, dass alle verfügbaren Quellen in Neckargerach und Zwingenberg zusammengefasst werden und die Wässer entsprechend aufbereitet werden (Filtrierung). Die Versorgung soll dann über einen gemeinsamen Wasserhochbehälter erfolgen, der auch die notwendige Löschwasserreserve vorhalten soll. Dies setzt voraus, dass zwischen den beiden Gemeinden Verbindungsleitungen gebaut werden. In einem weiteren Schritt soll auch Guttenbach an diese Versorgung angeschlossen werden – hier wird bislang über einen Fremdversorgung das Wasser dargeboten. Daraus ergibt sich auch, dass auch zukünftig kein Anschluss an einen Fremdversorger für Neckargerach oder Zwingenberg geplant ist. Die Gemeinderäte wie auch die Resonanz aus der Bevölkerung an diesem Abend waren, dass das eigene Wasser einen hohen Wert für die Gemeinden hat.

Herr Ingenieur Sylla stellte die verschiedenen Baumaßnahmen in Abschnitten untergliedert dar. Demnach sei die Umsetzung dieser Konzeption in einem Zeitraum von acht bis zehn Jahren geplant. Rechnungsamtsleiter Tobias Leibfried erläuterte die daraus entstehenden Investitionen und die erhofften Landeszuschüsse. Bei einer Investition von mehreren Millionen Euro verteilt auf den Zeitraum von zehn Jahren sei zwar eine Gebührenerhöhung unvermeidbar – die Wasserversorgungen müssen kostendeckend arbeiten – durch das Akquirieren von Zuschüssen könne die Belastung für die Bürgerinnen und Bürger aber erheblich reduziert werden.

Bürgermeister Norman Link erläuterte noch die vorgesehene Organisationsstruktur der zukünftigen Wasserversorgung. Demnach ist die Gründung eines Zweckverbandes geplant, der die Aufgabe der Wasserversorgung der beiden Gemeinden übernehmen wird. Der Zweckverband wird auch Eigentümer der Anlagen zur Wassergewinnung (Quellgebäude, Quellleitungen, Filteranlagen usw.) sein. Die Rohrnetze innerhalb der Gemeindegebiete verbleiben bei den Kommunen. Noch bis zur politischen Sommerpause soll die Gründung des Verbandes unter Dach und Fach gebracht werden, damit dieser dann mit der Vorbereitung der ersten Baumaßnahmen beginnen kann – denn auch hier muss geplant und genehmigt werden sowie Zuschüsse akquiriert werden.

Nach der Beantwortung zahlreicher Fragen dankte Bürgermeister Norman Link den Herren Besch und Sylla sowie Tobias Leibfried für ihre Präsentationen sowie den vielen Besucherinnen und Besuchern für ihr Interesse an diesem Abend.