Gemeinde Neckargerach

Seitenbereiche

Volltextsuche

Rathaus Aktuell

Frauenwahlrecht


100 Jahre Frauenwahlrecht

Im Neckar-Odenwald-Kreis ein Grund zum Feiern

Neckargerach. (jbl) Vor 100 Jahren, auf den Tag genau, trat am 30. November 1918 das Frauenwahlrecht in Kraft. Dieses Ereignis nahm die Beauftragte für Chancengleichheit und Frauenförderung zum Anlass, mit den Frauen im Neckar-Odenwald-Kreis gemeinsam zu feiern. So hatte man die Finalveranstaltung der Neckar-Odenwald-Kreis-Tage noch ein wenig in Richtung Jahresende geschoben. Und so konnte Neckargerachs Bürgermeister Norman Link, in dessen Gemeinde diese besondere Veranstaltungsreihe 2018 gastierte die vielen Besucherinnen als „Hausherr“ in der Minneburghalle willkommen heißen.
„Ich werde einmal Bundeskanzlerin“, dies sei ein Ausspruch, der für die heutige Generation heranwachsender Frauen nicht ungewöhnlich sei. Zwar habe sich vieles getan, aber immer noch nicht genug, begrüßte Angelika Bronner-Blatz, Beauftragte für Chancengleichheit und Frauenförderung im Kreis die zahlreichen Besucherinnen. Je kleiner die Stadt, je ländlicher die Region, umso weniger Frauen finde man in der Politik. Baden-Württemberg bilde mit einer Frauenquote von 25,9% Schlusslicht der Deutschen Bundesländer. Mit etwas Bedauern zog Bronner-Blatz den Vergleich. Auch in unserem Landkreis sieht es nicht zufriedenstellend aus. Unter den 27 Stadt- und Gemeindevorsitzenden befinde sich nur eine Bürgermeisterin.
Landrat Dr. Achim Brötel, der gerne auch zu diesem besonderen Finale der Neckar-Odenwald-Kreis-Tage gekommen war, musste demütig bestätigen, dass die Frauenquote im Kreistag, leider noch unter der Baden-Württembergs liegt.
Die Referentin des Abends, Eva- Maria Grimm , sei eine von sieben Frauen im Kreistag, was bei 46 Mitgliedern leider nur eine Frauenquote von 15 Prozent ausmache. Die Mehrheit der offiziellen Ämter werde im Landkreis immer noch von Männern bekleidet. Exakt auf den Tag genau vor 100 Jahren sei die „Verordnung über die Wahlen zur verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung“ (sog. Reichswahlgesetz) in Kraft getreten. Erst dadurch und nicht etwa schon durch den berühmt gewordenen „Aufruf an das deutsche Volk“, den der Rat der Volksbeauftragten im Zuge der November-Revolution am 12. November 1918, also 2 1/2 Wochen vorher, verkündet hatte, sei die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland tatsächlich gesetzlich fixiert. Erinnerte Dr. Brötel. „Wir haben den Frauen- und Mädchentag bewusst auf dieses Datum gelegt“, so der Landrat und erinnerte im Laufe seiner Rede an die bevorstehende Kommunalwahl am 26. Mai 2019.
Auch Referentin Eva-Maria Grimm erinnerte noch einmal an diesen historischen Tag. Es sei : „Eine Sternstunde für die Demokratie in Deutschland“, gewesen. Jetzt konnten Mädchen auf einmal den Wunsch hegen politisch aktiv zu werden. Auch wenn der Berufswunsch einmal Bundeskanzlerin zu werden für die Großmütter Grimms zunächst noch unvorstellbar gewesen sei, haben die, wie so viele mit ihnen, erkannt, welche Chance ihnen diese Neuerung in der Mitbestimmung der Gesellschaft nun gebe. Sie erkannten, dass sie durch ihre Stimmabgabe nun mitentscheiden konnten, die eigene Stimme würde gehört, wenn man zur Wahl gehe. „Nutzen Sie ihre Stimme, gehen Sie am 26.Mai zur Wahl, werden sie politisch aktiv“, appellierte sie an die Zuhörerinnen in der nahezu vollbesetzten Halle.
Doch diesen Abend gelte es, eine Pause vom Alltag zu nehmen. Und dafür hatte man ein ganz besonderes stimmungsaufhellendes Mittel eingeladen. „Nimm Frauengold und es geht Dir gut“, so lautete der Slogan eines in den 50er und 60er Jahren gleichzeitig beruhigenden und stimmungsaufhellenden Herz-Kreislauf-Tonikums. Danach hat sich auch das Kabarett-Duo Dr. Renate Geigenhals (Susanne Geiger) und Margot (Birgit Kruckenberg-Link) Finkbeiner benannt. Sie luden ein zu einem informativ vergnüglichen und äußerst humorvollen Rückblick in die Historie starker Frauen. Sie holten mit Musik, Gesang und Stimme bedeutende Frauen der Geschichte auf die Bühne in der Minneburghalle. Politik kann also durchaus auch ein vergnügliches Ereignis sein. Frauen sind praktisch veranlagt und konnten schon immer mehrere Dinge auf einmal. Frauen sind in allen Bereichen aktiv.
Mit ihrem frisch frechen kabarettistischen Programm begeisterte das Duo. Nicht ganz unkritisch fragten sie „Woher kommen wir und woher gehen wir“, hatte sich wirklich so viel verändert in der Stellung der Frau in der Gesellschaft? Jeder durfte sich seine eigenen Gedanken dazu machen. Nachdenklich stimmen sollten vielleicht auch die Stände der Kooperationspartner, darunter der Förderverein Frauen- und Kinderschutzhaus Neckar-Odenwald-Kreis. Besonderer Dank ging an die Mitgliederinnen von „Mona Lisa“, die unter der Leitung von Kristina Taschetta die für das leibliche Wohl gesorgt hatten sowie an alle die mit ihrer tatkräftigen Mitarbeit den Abend zum Erfolg geführt hatten.